Endometriose im Fokus! 

ENDOMETRIOSE HAT VIELE GESICHTER, WAS STECKT DAHINTER UND KÖNNEN WIR AUCH MIT ERNÄHRUNG EINFLUSS NEHMEN? 

Endometriose in Zahlen & Fakten:

  • Jede 10. Frau ist betroffen – Dunkelziffer jedoch mit Sicherheit höher
  • Oft unerkannt und damit unbehandelt
  • Geht mit großer körperlicher – psychischer Belastung einher
  • Betroffene werden oft nicht ernstgenommen und Beschwerden als „normale Frauenbeschwerden“ abgetan
  • Viele betroffene haben bis zur Diagnosestellung einen langen Leidensweg hinter sich
  • Symptome sind sehr vielfältig und lebensbeeinträchtigend
  • Viele junge Mädchen sind betroffen und denken „übermäßige“ Schmerzen bei der Menstruation sind normal!
 
Endometriose ist eine chronische, entzündliche Erkrankung bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter. Dabei kommt es zu Wucherungen von Zellen der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gärmutterhöhle im Beckenbereich. Mitbetroffen sind häufig in diesem Bereich liegende Organe wie Eierstöcke, Eileiter, Darm, Blase und Harnleiter und deren Funktionen.
 
Bildquelle: Endometriose Vereinigung Austria
Bildquelle: Endometriose Vereinigung Austria

Kennt auch von euch jemand diese körperlichen Symptome und hat keine Diagnose bzw. wurde mit diesen Beschwerden nicht ernst genommen?

  • Übermäßige Menstruationsbeschwerden mit starken Blutverlusten
  • Unterleibsschmerzen mit Ausstrahlung bis in Rücken, Schulter, Beine
  • Beeinträchtigung der Verdauung (Übelkeit, Verstopfung, Erbrechen)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Unerfüllter Kinderwunsch
  • Körperliche und psychische Erschöpfung

 

Warum als Diätologin über dieses Thema schreiben? 

Aufgrund der Einflussnahme von Endometrioseherden auf den Verdauungstrakt kommt es häufig zu Beschwerden in diesem Bereich und in weiterer Folge zu einer Wechselwirkungen in positiver wie auch negativer Weise mit Nahrungsmitteln. Mit unserer Ernährung können wir auf unseren Körper einwirken, im Besonderen auch im Verlauf des Zyklus. Die Ernährung stellt damit für Endometriose-Betroffene einen wichtigen Baustein dar, positiv und selbstwirksam auf das Krankheitsgeschehen einzuwirken. Ein sehr individuelles Vorgehen in der Ernährungstherapie ist jedoch entscheidend, da jede Frau anders auf Nahrungsmittel reagiert.  Damit ja, Endometriose & eine Einflussnahme auf Beschwerden durch unsere Ernährung ist möglich, jedoch ist die Therapie sehr individuell und sensibel, gerade weil Hormone im Wechselspiel mit Nahrungsmitteln positiv wie auch negativ reagieren können. Ein Folgen von Standardempfehlungen ist bei dieser Erkrankung nicht zielführend, gut begleitet kann durch mehr Verständnis für die individuelle Ernährung positives bewirkt werden. Die nächsten 3 Punkte zeigen wie individuell sich die Ernährungstherapie bei Endometriose gestaltet.

3 Bereiche für ein mögliches ernährungstherapeutisches Einwirken auf Endometriose Beschwerden:

Die Rolle der Phytoöstrogene:

Östrogen und Progesteron sind Hormone, welche im Wechselspiel miteinander arbeiten. Bei Endometriose kommt es zu einem hormonellen Ungleichgewicht, häufig mit Östrogen Dominanz und/oder Progesteron Resistenz. Östrogen fördert die Produktion von Gebärmutterschleimheut, damit auch die Wucherungen außerhalt der Gebärmutter. Phytoöstrogene können bei Betroffenen oft hilfreich sein und werden in der allgemeinen Literatur häufig empfohlen. Achtung jedoch bei vielen Frauen können diese auch entgegengesetzt wirken , warum? Jeder Körper bzw. der hormonelle Stoffwechsel regiert sehr individuell. Phytoöstrogene können Östrogenrezeptoren sowohl aktivieren als auch blockieren, d.h. können damit eine östrogensteigernde bzw. östrogenhemmende Wirkung haben. Generell Phytoöstrogene zu empfehlen ist damit nicht der richtige Weg, da sie nicht immer die körpereigene Östrogenproduktion hemmen. Eine gute Begleitung und ein individuelles Herantasten und Ausprobieren mittels Ernährungs- und Beschwerdetagebuch ist hierbei unerlässlich.

Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Phytoöstrogenen (höchster Gehalt in absteigender Reihenfolge): Soja und daraus hergestellte Produkte, Bohnen, Erbsen Leinsamen, Kürbis

Die Rolle des Darms:

Über die Ernährung und die Wirkung auf den Darm kann in unterschiedlicher Art und Weise auf die Beschwerden bei Endometriose eingewirkt werden.

Wirkbereich Nr. 1: Endometriose typische Verwachsungen oder Vernarbungen nach Operationen im Nahbereich des Verdauungstrakts führen häufig zu einer Beeinträchtigung der Verdauung. Durchfälle, Verstopfung bis hin zum Erbrechen können mögliche Symptome sein. Gerade bei Durchfällen und Verstopfung kann mit einer verdauungsunterstützenden Ernährung positiv Einfluss genommen werden. Ein gezielter Einsatz von Lebensmitteln und Ballastoffen Ballaststoff kann hier hilfreich sein.

Wirkbereich Nr. 2: Das Darmmikrobiom spielt auch beim Östrogenstoffwechsel eine entscheidende Rolle. Eine besondere Abordnung von Darmbakterien das sogenannte Östroblom wirkt auf Enzyme, welche die Östrogenproduktion in den Eierstöcken steuern. Ein labiles Darmmikrobiom (Östroblom) kann damit die Aktivierung des Enzyms beeinträchtigen, was zu einer Unter- oder Überversorgung mit freiem Östrogen führen kann.

Lebensmittel zur Förderung der Verdauung & eines gesunden Darmmikrobioms: Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, vollwertige Getreideprodukte, Haferflocken, probiotische Lebensmittel wie gesäuerte Milchprodukte (Joghurt, Buttermilch, Kefir), fermentiertes Gemüse (Sauerkraut, Kimchi), Sauerteigbrot. Einsatz von Supplementen (Probiotika, lösliche Ballaststoffe) in gezielter ernährungstherapeutischer Abstimmung.

Achtung jedoch bei gleichzeitiger Histaminsensibilität können probiotische Lebensmittel auch negativ wirken!

Die Rolle von Histamin:

Je nach Zyklusabschnitte bestimmen andere Hormone das Geschehen, die erste Zyklushälfte ist Östrogenbetont die zweite Zyklushälfte Progesteronbetont. Zudem kommt es in der zweiten Zyklushälfte bei vielen Frauen zu einer vermehrten endogenen Ausschüttung von Histamin. Histamin wiederum kurbelt die Östrogenproduktion an und es kommt zu einem Östrogenüberschuss, dies kann wiederum die Beschwerden bei Endometriose verstärken. Bei vielen Frauen mit einer Sensibilität in diesem Bereich kann in der zweiten Zyklushälfte eine Histamin angepasste Ernährung hilfreich sein, um die Östrogenproduktion nicht zusätzlich anzukurbeln. Diese Wirksamkeit gilt es jedoch individuell auszuprobieren, um unnötige/unwirksame Einschränkungen zu vermeiden.

Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Histamin: Käse, Rotwein, geräucherte Wurstwaren, Bier, fermentierte Produkte

Zudem unterstützend wirkt eine vielseitige bunte Ernährung reich an pflanzlichen Lebensmitteln, mit einer bewussten Auswahl an tierischen Lebensmitteln, sowie einer gezielten Auswahl an günstigen Fetten (Omega 3 FS).

Endometriose kann mit Ernährung nicht geheilt werden, können jedoch entsprechende Trigger Lebensmittel eruiert werden und steht die Grundlagenernährung auf stabilen Beinen können Symptome gelindert werden.  Durch individuelles Vorgehen das Beste für die Betroffenen herausholen! 

Filmtipp „nicht die regel“ 

Der Film „nicht die regel“ gibt einen guten Einblick in die vielen Gesichter der Erkrankung. Der Film ist eine österreichische Dokumentarfilmproduktion. Über den Gesundheitsfond Steiermark wird der Film in allen steirischen Bezirken im Rahmen einer Filmvorführung mit Diskussion präsentiert. Zudem kann der Film über Vimeo On Demand gekauft oder gestreamt werden. Ansehen lohnt sich! Reden, hören wir mehr darüber entsteht mehr Bewusstsein dafür und auch die Bereitschaft, der Mut von Betroffenen darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen wird erhöht. Mehr Wissen darüber, kann damit für die Betroffenen mehr Verständnis im Umfeld und eine bessere Therapie bedeuten.

Noch ein Tipp, Novum – Zentrum für Frauen und Mädchen ist eine Anlaufstelle für Frauen und Mädchen in verschiedensten Belangen.

Beitrag und Thema gerne teilen, um mehr Bewusstsein zu schaffen!

 

Ich freue mich auf euren Besuch und eure Kommentare!

Marianne

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