Interview mit Gabriele Obmann 3. platzierte Ironman 2021

Leistung ist nicht abhängig vom äußeren Erscheinungsbild

Ein Interview mit Gabriele Obmann 3. platzierte beim Ironman in Klagenfurt 2021 und damit österreichische Staatsmeisterin im Ironman über die Langdistanz

Nach einem Posting zum Thema Körperbilder haben sich unsere Wege gekreuzt. In meinem Beruf bin ich täglich mit derartigen Themen konfrontiert und viele von uns beschäftigt es auch im Alltag. Fakt ist: Es gibt unterschiedliche Körperbautypen und diese lassen sich auch durch Diäten, Hungern, usw. nicht verändern. Unser Körper hat immer das Ziel ein für ihn gut funktionierendes System zu erhalten, die Hülle ist dabei nicht wesentlich. Auch im Leistungssport wird manchmal in Schubladen gedacht und dass die körperliche Leistungsfähigkeit sehr stark vom äußeren Erscheinungsbild abhängig ist. Unüberlegte Aussagen über das Körperbild sind in unserem Alltag an der Tagesordnung und werden über unterschiedliche, oft nicht kompetente Kanäle (Internet, Medien, usw.), von Klein an in unsere Köpfe gepflanzt. Menschen werden damit verunsichert und Störungen der Körperwahrnehmung als auch Essstörungen können die Folge sein. In meiner Arbeit bin ich täglich damit konfrontiert und versuche das Bild wieder gerade zu rücken. 

Auch im Sport sind derartige Aussagen offensichtlich üblich, doch wer, wenn nicht die Athletinnen und Athleten selbst kennen ihren Körper besser und wissen was in ihm steckt und was er braucht!? Zu zeigen, dass eine Definition ausschließlich über das äußere Erscheinungsbild nicht richtig ist, hat uns zusammengeführt und es freut mich, dass uns Gabi diesen Blick dahinter mit diesem Interview ermöglicht.

Gabi: Ja, in deinem Posting hast du über die BIA als Methode für den Blick dahinter geschrieben, und dass auch eine „dünne/r Frau/Mann“ nicht immer gesund ist. Viel wichtiger ist ja ein gesunder Mensch mit einer günstigen Verteilung dahinter, der Bautyp ist dabei nicht so entscheidend. Es kommt ja nicht selten vor, dass sehr dünne Frauen, aber auch Männer mit ihrem Immunsysteme auf Kriegsfuß sind.

Beim Thema Immunsystem ist definitiv etwas wahres dran. Aber sehen wir uns die Bausteine für deinen Erfolg etwas genauer an. 

 

Der Sport

Welche Rolle spielt Sport in deinem Leben und seit wann betreibst du Leistungssport Triathlon/Ironman?

Gabi: Sport war schon immer Teil meines Lebens und Sport hat mir immer schon eine positive Energie gegeben, wenn ich mich bewege, geht es mir gut. 2015 habe ich aus Spaß einen Sprint Triathlon versucht, ganz ohne Training. 2016 war ich dann als Krankenschwester beim Ironman dabei, dort hat mich die Lust gepackt. So schnell wie ich entschlossen habe, dass ich 2017 beim Ironman starten werde, habe ich auch begonnen ohne Kompromiss zu trainieren. Seit 2019 arbeite ich mit meiner Trainerin Sonja Tajsich zusammen, mit ihr gemeinsam arbeite ich an meiner Leistung. Neben der Arbeit verplant Sie meine gesamte Freizeit.

Das heißt dein Leben besteht derzeit hauptsächlich aus Arbeit und Training… wie viele Stunden pro Woche wendest du für Training auf? 

Gabi: Ja genau, mein Leben besteht aus meiner Arbeit im Krankenhaus, Training, Wettkämpfen und Schlafen zur Erholung. Zurzeit kommen auch noch ein paar zusätzliche Termine z.B. Sponsorentermine, Interviews hinzu. Doch wenn einem etwas begeistert, wie mich der Sport, dann ist das Training ja nicht schlimm. In der Haupttrainingszeit trainiere ich mehr als 18 Stunden pro Woche, da ist es für meine Trainerin schon manchmal eine Herausforderung alles gut und zielführend zu verplanen. Für ihre Flexibilität dabei bin ich ihr sehr dankbar, denn auch das zeitliche Management noch im Kopf zu haben wäre zu viel. Damit kann ich meinen Fokus voll auf mich und die Leistung legen. 

Seit 2019 arbeitest du mit deiner Trainerin zusammen, was waren schlussendlich heuer die Beweggründe als Profi zu starten?

Gabi: Natürlich haben wir gemerkt, dass ich in dem was ich mache, nicht so schlecht bin. Seitdem ich Triathlon mache, mache ich es aus Leidenshaft, ich liebe es an mir zu arbeiten und mich an die Grenzen zu bringen. Manchmal bin ich natürlich auch übers Ziel hinausgeschossen, aber auch diese Erfahrungen haben mich weitergebracht, somit ist der Leistungsgedanke mit mir mitgewachsen. 

Profi zu sein hört sich super an, ich bin C- Profi. Ich kann definitiv nicht von meinen sportlichen Leistungen Leben, steh aber auch noch sehr am Anfang. Das gute am Triathlon-Sport über die Langdistanz ist, dass ich noch bis Anfang 40 Zeit habe richtig großartige Erfolge zu feiern.

Inwieweit spielt für dich das äußere Erscheinungsbild, im Bezug auf deine Leistung und deine Mentale Stärke eine Rolle?

Gabi: Ich bin überzeugt, wenn man sich selbst im Körper mag, kann man super Leistungen bringen. Das Erscheinungsbild ist ja auch Geschmackssache. Ich selbst finde mich immer schön, wenn ich kräftig aussehe. Andere sagen, ich habe zu viele Muskeln. Auch für die Leistungsfähigkeit denke ich, ist der Bautyp nicht so entscheidend. Macht man etwas mit Begeisterung, schauen auch gute Erfolge dabei heraus. 

Ich denke das hast du mit deinem großarten 3. Platz beim Ironman gezeigt. 

 

Die Ernährung: 

Welche Rolle spielt Essen/Ernährung in deinem Leben? Und wie hat sich der Blick darauf verändert?

Gabi: Eine wesentliche Rolle, da die gesamte Energiebereitstellung über die Ernährung läuft. Ohne Mampf kein Kampf. Durch meine Arbeit als Krankenschwester hat sich der Blick darauf ein wenig verändert und das Thema Ernährung ist mit mir mitgewachsen.

Als Sportlerin weiß man wie der eigenen Körper funktioniert. Hast du in Bezug auf das Thema Ernährung auch einmal etwas ausprobiert oder dich eingeschränkt oder vertraust du hierbei ganz dir selbst? Was hältst du von Diäten?

Gabi: Ich habe immer vieles versucht, natürlich auch Kuren/Diäten/Ernährungsformen. Doch ich bin immer zur Vernunft gekommen und bleibe einem alten Spruch treu „Kaiser/König/Bettelmann“ und eine Extraportion für das Training. 

Das heißt du isst ca. 3 Mahlzeiten am Tag und Zwischendurch zusätzlich etwas für das Training? Inwieweit spielt der Zeitpunkt der Mahlzeiten im Hinblick auf den Sport bzw.  das Training eine Rolle?

Gabi: Das ist definitiv relevant, bestimmt auch sehr unterschiedlich. Ich selbst muss mich auch sehr nach meinen Arbeitsalltag richten. Nur würde ich nie ohne Frühstück das Haus verlassen, ich habe auch immer vor einem Training, dass länger als 1 Stunde dauert und je nach Intensität, einen Energie Riegel mit oder esse einen Snack davor.

Achtest du bei den Mahlzeiten auch auf eine spezielle Zusammenstellung? 

Gabi: Ja natürlich, es soll alles dabei sein was mein Körper braucht. Ich habe meine Kategorien und aus jeder nehme ich etwas raus.  Beim Frühstück z.B. 1 Portion Kohlenhydrate mit Getreideflocken, 1 Portion Eiweiß mit Joghurt oder Topfen, 1 Portion Fett mit Mandelmus und eine Portion zusätzliche Kohlenhydrate über Obst. Das funktioniert eigentlich ganz gut. 

Klingt richtig schlüssig. Achtest du auch vor/nach dem Training auf eine bewusste Auswahl?

Gabi: Ja und nein. Je nach Training kann es schon sein, dass ich vor einem harten Lauf, einmal etwas Süßes esse wie eine Nussschnecke oder so. Vor allem leicht verdaulich soll es sein, denn die Energie soll schnell da sein. Einfache Kohlenhydrate kommen als schnelle Energie gut an und mein Körper muss nicht auf den Glucose-Speicher der Leber zurückgreifen.

Und nach dem Training, wie sieht es dabei mit dem Essen aus und welche Rolle spielt hierbei Erholung und Regeneration?

Gabi: Eine wesentliche. Ich selbst merke bei mir, wenn ich viel Schlaf bekomm, mich gut auffülle und meine Einheiten zu normalen Rhythmus Zeiten habe, dass es am besten funktioniert. Lasse ich genau diese Faktoren ein wenig außer Acht – verliere ich viel Wasser, der Körper ist gestresst und Entzündungen im Köper können die Folge sein. Da habe ich auch meine Erfahrungen machen müssen, aber ein bewusster Umgang mit dem Körper hilft.

Würdest du nüchtern in ein Training gehen?

Gabi: Heißes Thema wird seit Jahren immer diskutiert, ich selbst mach es nicht. Gerade bei Frauen bedeutet es für den Körper zu großen Stress und ich fühle mich dann auch nicht leistungsfähig.

Hört sich gut an, trainiert man nüchtern kann man auch nicht so gute Leistung bringen. Das heißt dein Verständnis für Ernährung und für den eigenen Körper ist jener, die physiologischen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Was braucht dein Körper für gute Leistung? 

Gabi: Ja, ich versuche mich selbst immer mehr zu verstehen. Kohlehydrate sind in jedem Fall ein Hauptenergielieferant damit die Muskeln schnell Energie haben, Fette, Eiweiß und Flüssigkeit, sowie Elektrolyte und Vitamine braucht der Körper jedoch auch, damit das ganze System gut funktioniert. Manche Vitamine und Mineralstoffe nehme ich auch zusätzlich, dazu lasse ich jedoch immer wieder einmal ein Labor machen. 

Ja, ein Labor ist immer eine gute Möglichkeit, um über den Körper mehr zu erfahren. 

 

Der Blick dahinter: 

Im Sport ist ja der Blick dahinter ein sehr wichtiger. Welche Methoden verwendest du noch, um zu sehen, wie der eigenen Körper aufgebaut ist bzw. ob alles in die gewünschte Richtung läuft?

Gabi: Unterschiedliche Methoden wie Spiro, EKG, Leistungstests, Laktat-Messungen, BIA-Messungen. Bei Frauen ist auch der Hormonstatus wichtig. Eine BIA z.B. ist für mich relevant bezüglich meines Systems, der Verteilung im Körper hinsichtlich Muskelmasse, Fettanteil und Wasseranteil, spielt schon eine Rolle.

Diese Methoden wiederhole ich jedoch nicht so häufig wie andere Sportler, ich orientiere mich dabei gerne am eigenen Körperfühl für den Leistungsfortschritt. Manchmal etwas schwarz auf weiß zu haben hilft natürlich weiter. 

Wow da läuft schon einiges auch im Hintergrund ab. Ein Blick noch auf die Wettkampsituation… was machst du, wenn dein Körper beim Wettkampf an die Grenzen kommt?

Gabi: Durchbeißen 😊 Jedoch, wenn der Kopf etwas komisch wird, helfen Flüssigkeit, Kohlenhydrate und Elektrolyte (Natrium).

Abschließend würde mich noch interessieren was bedeutet für dich Genuss beim Essen? Und lässt sich dieser auch mit deinem Sport vereinbaren?

Gabi: In der Off-Saison auf jeden Fall und gehört definitiv dazu, wobei Genuss für mich Käsekuchen heißt, oder ich freue mich auch einmal auf einen Kaiserschmarrn auf der Hütte oder einen Radler am Berg.

Sportlerin bin ich aus Überzeugung und Leidenschaft und ich achte natürlich, wenn es mehr gefragt ist, auf das Essen, da mein Körper dann auch gut funktioniert. Ich mache jedoch nichts, wovon ich nicht überzeugt bin.

Klingt alles sehr schlüssig und auch Genuss muss seinen Platz haben! 


Abschließendes Fazit und kleine Botschaft

Die kleine Botschaft soll lauten: Hört auf euren eigenen Körper und lasst euch nicht von Äußerungen, Diättrends, usw. leiten, wie ihr essen und aussehen sollt!!

Gabi hat uns dazu ein paar gute Beispiele geliefert und hat sich auch durch unbedachte Äußerungen nicht vom Weg abbringen lassen. Wir selbst wissen am besten was gut für uns ist.

Gerade auch die Antwort auf die Frage „Was sie macht, wenn sie an die Grenzen gebracht wird und wenn der Kopf nicht mehr will“ möchte ich noch einmal hervorheben! Zu wissen was der Körper in dieser Situation braucht, Kohlenhydrate, Flüssigkeit und Natrium ist die intuitiv richtige Antwort. Für unser Gehirn und unsere Muskeln ist die einzige verwertbare Energiequelle Kohlenhydrate, für den Transport benötigen wir Flüssigkeit und Natrium damit es auch dort ankommt.

Wichtig ist es beim Essen auch die ernährungsphysiologischen Bedürfnisse zu kennen, bzw. dabei unserem Körper zu vertrauen. Genau dieser Aspekt wird leider bei den meisten Diäten, Trends, usw. außer Acht gelassen.

Gabi, noch einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem Großen Erfolg!! Du hast gezeigt, dass du mit deinem Gespür für deinen Körper auf einem sehr guten Weg bist und dass eine Topleistung nicht vom äußeren Erscheinungsbild abhängt. Auch was die Ernährung betrifft fällt mein fachliches Fazit sehr positiv aus 😊 Aber natürlich freue ich mich immer über herausfordernde Detailfragen, genau das macht die Spannung in meinem Beruf aus.

Gabi, danke für diese Einblicke und wir freuen uns alle auch weiterhin viel von deinen sportlichen Erfolgen zu hören.

Welches Thema zum Bereich Sporternährung würden euch noch interessieren? Ich bin gerade ganz gut im Thema drinnen und hätte auch den ein oder anderen Beitrag geplant. Also Wunschthema einfach posten, dann kann ich gerne darauf eingehen. 

Ich freue mich auf euren Besuch und eure Kommentare!

Marianne

4 Antworten

  1. Liebe Marianne, liebe Gabi!
    Wirklich sehr interessanter und informativer Beitrag – sehr cool – DANKE! 🙂
    Ich würde mich über einen Beitrag hinsichtlich Ernährung und Ergänzung für Hobbysportler sehr freuen.
    Beispielhaft eine grobe Aufteilung KH, Proteine, Fette. Zusammenhang mit der Trainingsintensität und der Ernährung ist, finde ich, ein sehr spannendes Thema und geht weit auseinander.

    Liebe Grüße,
    Martina

    1. Liebe Martina,
      vielen Dank für die schöne Rückmeldung 🙂

      Deine Wunschthemen sind sehr spannend und auch sehr komplex. Zu diesen Themen gibt es viele Informationen, die richtige für sich herauszulesen ist oft schwer. Ja es gibt Richtwerte, zu diesen kann ich gerne einen Beitrag schreiben und einen groben Überblick geben.

      Wollen wir Training und Ernährung jedoch gezielter, für unsere persönlichen Bedürfnisse abstimmen, ist es wichtig mehr ins Detail zu gehen.
      Dabei ist wichtig:
      – die individuelle Ausgangsituation zu berücksichtigen,
      – die individuellen Ziele beim Training zu berücksichtigen (Gesundheits- bis zum Leistungssport, dies entscheidet auch die Abstimmung bei der Ernährung mit),
      – und auch die Sportart spielt eine Rolle.
      Darauf baut sich dann auch die Auswahl beim Essen auf.

      Alles Liebe,
      Marianne

  2. Liebe Marianne, liebe Gabi!

    Ein gelungener und sehr interessanter Artikel!
    Man bekommt einen sehr guten Einblick hinsichtlich dem Zusammenhang Ernährung und Leistungssport.
    Idealbild hin oder her! Man muss sich wohl fühlen und die Gesundheit soll im Vordergrund stehen.
    Viel Erfolg !!
    LG Gerald

    1. Lieber Gerald,

      vielen Dank, wir freuen uns denke ich beide über derartige positive Rückmeldungen. Wichtig ist einfach, egal ob wir nun Sportler sind oder nicht, uns in unserem Körper wohlzufühlen. Unser Essen und auch Bewegung leisten dabei oft einen wichtigen Beitrag, manchmal vergessen wir ein bisschen darauf… wie gut uns Bewegung eigentlich tut und wie wichtig auch gutes Essen für uns ist 🙂

      Danke noch einmal!

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