Kochen im Wandel!  

KONFLIKT zwischen KOCHEN WOLLEN & KOCHEN SOLLEN?!

Kochen gehört zu den ältesten menschlichen Handlungen – und dennoch stellt sich heute vermehrt die Frage, welchen Platz und welche Rolle das Kochen in unserem Alltag noch einnimmt. Unter dem Anspruch, „wertvolles Essen“ schnell und unkompliziert verfügbar zu machen, hat die Lebensmittelindustrie ein breites Angebot geschaffen: Fertiggerichte, Kochboxen, Backmischungen, Küchenhelfer und Geräte wie der Thermomix sollen den Aufwand reduzieren – und ersetzen damit zunehmend das eigenständige Kochen.

Zwei Welten prallen damit aufeinander: Auf der einen Seite besteht das Bedürfnis nach einem bewussten Umgang mit Lebensmitteln. Auf der anderen Seite haben wir keine Zeit dafür. Kochen steht damit im Konflikt zwischen Notwendigkeit, Selbstverwirklichung, Identifizierung und Ausdruck. Doch was bedeutet es für uns als Menschen, wenn wir das Kochen immer mehr aus der Hand geben?

Im aktuellen Beitrag möchte ich auf die Sinnfrage des Kochens näher eingehen. Inspiriert dazu haben mich meine aktuellen Errungenschaften die gegensätzlicher kaum sein könnten: ein Outdoor-Feuerkorb mit Kochstelle und einen Thermomix. Damit hat sich das Thema „MACHT KOCHEN SINN?“ näher zu beleuchten geradezu aufgedrängt. 

Grundsätzlich bleibt festzuhalten: Kochen macht Sinn! In meinem beruflichen Alltag und meinen Beratungen stellt sich nicht nur die Frage nach dem WAS gegessen wird, das WIE und woher unser Essen stammt und wie wir in die Zubereitung eingebunden sind, sind wesentliche Punkte für eine gute Verbindung zum Essen und zu unserem Körper. 

Dazu möchte ich nun auf auf zwei Punkte näher eingehen… Wie können Küchenhelfer sinnvoll eingesetzt werden und welche Bedeutung hat kochen an sich. 

Küchenhelfer sinnvoll verwenden

Küchenhelfer, Backmischungen, Fertiggerichte und ähnliche Produkte haben alle dasselbe Ziel: Prozesse zu erleichtern oder ganz zu übernehmen, um schneller zu einem Ergebnis zu kommen. Das funktioniert auch.
Doch was passiert, wenn wir alles beschleunigen, Schritte überspringen oder das Denken an ein Gerät delegieren – und damit Kochkompetenzen vollständig auslagern und der Industrie übergeben?
So verlieren wir nach und nach Fähigkeiten, die uns eigentlich stärken. Mehr dazu im Folgenden.

Nutzen wir solche Geräte jedoch als Unterstützer, während das Kochen und das Wissen weiterhin in unseren Händen bleibt, können sie meiner Meinung nach durchaus ihren Platz in unserer Küche finden und auch Sinn ergeben. Lagern wir jedoch alle Kompetenzen aus, schaden uns diese Hilfsmittel langfristig mehr, als sie uns in einzelnen Momenten nützlich erscheinen. 

Welchen Sinn hat KOCHEN aus ernährungstherapeutischer Sicht!?

FÜRSORGE, BEZIEHUNG & VERBUNDENHEIT

Kochen nährt die Selbst- und Fremdfürsorge, damit wird die Beziehung zu uns selbst und anderen gestärkt. In der Beziehung zu uns selbst geht es wesentlich um den Aufbau von Selbstkompetenzen und Selbstvertrauen durch den Kochprozess. Beim Zubereiten durchlaufen wir verschiedene Schritte, die Konzentration, Wahrnehmung und Fokus erfordern. Am Ende steht ein sichtbares Ergebnis am Teller, das den Selbstwert stärkt. Zudem wirkt der Kochprozess nahezu meditativ: Er bringt damit Beruhigung mit sich, bringt uns uns selbst näher und kann nachweislich Stress reduzieren, damit wird eine weitere wichtige Lebensressource gestärkt. In der Beziehung zu anderen oder im Gemeinschaftserleben drücken wir Nähe und Wertschätzung aus und erleben im gemeinsamen Zubereiten und Essen Verbindung, Austausch und Gemeinschaft. Kochen und essen sind damit auch für Kinder wichtige Entwicklungsbegleiter, um Fürsorge, Sicherheit und Geborgenheit zu erleben, sowie eine positive Beziehung zu Lebensmittel und dem Körper aufzubauen. Essen und Kochen stärkt damit die Beziehung zu uns selbst, zu anderen und zu Lebensmitteln. 

AUTONOMIE & LEBENSKOMPETENZ

Kochen ist eine grundlegende Lebenskompetenz – besonders in der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen, damit lernen wir selbst für unser Überleben zu sorgen. Es bedeutet Unabhängigkeit und Selbstwirksamkeit und zeigt uns, dass wir auf unsere Fähigkeiten vertrauen und unser Leben eigenständig meistern können. Gleichzeitig fördert der Kochprozess Fokus, Planung und zielorientiertes Arbeiten und schafft durch wiederkehrende Abläufe Struktur, Sicherheit und Stabilität und stärkt damit Körper und Psyche im Befinden. 

WISSEN, WAHRNEHMUNG & GESUNDHEITSKOMPETENZ

Über das Kochen erweitern wir unser Wissen über Zutaten, Nährstoffe und die Beschaffenheit von Lebensmitteln und lernen, sie gezielt für unser körperliches Wohlbefinden zu nutzen. Unsere Sinne dienen dabei als wichtiges Werkzeug der Wahrnehmung: Kochen schult Achtsamkeit und Körperbewusstsein, wir entwickeln ein feineres Gespür für Bedürfnisse und Grenzen, verstehen unseren Körper besser und können ihn dadurch positiv beeinflussen.
Im Umgang mit neuen Lebensmitteln entsteht zudem Vertrauen – was zunächst unbekannt ist, wird durch eigenes Tun vertraut und stärkt die Beziehung zum Essen und zu uns selbst. Auf dieser Grundlage aus Wissen, Wahrnehmung und bewusster Nutzung unserer körperlichen Fähigkeiten wächst Gesundheitskompetenz – und damit die Möglichkeit, unser Wohlbefinden aktiv zu gestalteten. 

PSYCHISCHE GESUNDHEIT & EMOTIONEN

Kochen hat nachweislich auch therapeutische Effekte für unsere psychische Gesundheit und kann bei Stress, zur Emotionsregulation und bei depressiven Verstimmungen begleitend unterstützend wirken. Kochen bedeutet, im Moment zu sein und sich auf eine konkrete Aufgabe zu konzentrieren. Wiederkehrende, vorhersehbare Handgriffe schaffen Struktur und Ruhe; der entstehende Rhythmus wirkt beruhigend, reduziert Anspannung und fördert ein positives Gefühl. Gleichzeitig stärkt dieses Erleben den Selbstwert. Der Kochprozess unterstützt zudem die Regulation von Stress und Emotionen, da er Beruhigung und Entspannung fördert und hilft, innere Anspannung abzubauen. Durch das aktive Tun werden persönliche Ressourcen wie Kreativität, Selbstwirksamkeit und Problemlösungsfähigkeiten aktiviert. Über diese Reize werden im Körper vermehrt Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin ausgeschüttet, die das Befinden positiv beeinflussen und zu einem gesteigerten Gesamtwohlbefinden beitragen können.

Abschließender Gedanke

Kochen ist – wie ich finde – eine wertvolle Lebensressource. Es stärkt uns persönlich und leistet aus fachlicher Sicht einen wichtigen Beitrag zum Aufbau einer gesunden Körper‑ und Essbeziehung. Lasst euch daher auf den Zauber des Kochens ein und spürt, welche positive Verwandlung dabei entstehen kann.

Was meint ihr zu diesem Thema?

Ich freue mich auf euren Besuch und eure Kommentare!

Marianne

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